Mit 300000 Euro ermöglicht die Bürgerstiftung Düsseldorf eine neue Einrichtung in Bilk. Ein solches psychosoziales Beratungsangebot gibt es derzeit nicht. Träger ist die Krebsgesellschaft NRW. Im April sollen die Räume bezugsfertig sein.
Für Krebserkrankte und deren Angehörige gibt es ab April kommenden Jahres eine neue Anlaufstelle. In Bilk werden in den kommenden Wochen die Räume umgebaut, in denen speziell ausgebildetes Personal Betroffenen Hilfe bietet. Die Beratungsstelle versteht sich als unabhängig, weil sie nicht an Kliniken gebunden und anders als andere Einrichtungen nicht von Pharmaunternehmen oder Krankenkassen unterstützt wird.
Ermöglicht wird die psychosoziale Beratungsstelle durch die Bürgerstiftung Düsseldorf. Mit 300 000 Büro sichert sie die ersten drei Jahre, als Trägergesellschaft mit großer Erfahrung auf diesem Gebiet wirkt die Krebsgesellschaft NRW mit. Für die Bürgerstiftung sei dies drei Jahre nach ihrer Gründung das mit Abstand größte Projekt, sagte Vorstandsmitglied Sabine Tüllmann gestern im RP-Gespräch. Ein solches spezielles, unabhängiges Angebot habe es zuletzt in den 90er Jahren durch die Awo gegeben. Die Beratungsstelle sei aber geschlossen worden.
Nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts erkranken in Düsseldorf jährlich 3750 Menschen neu an Krebs. Für deren medizinische Betreuung sorgen niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser; unbefriedigend sind nach Einschätzung von Margret Schrader, Geschäftsführerin der Krebsgesellschaft NRW, aber die Nachsorge und Informationen verschiedener Art:
Welche Kliniken sind auf welche Krebserkrankungen spezialisiert? Welche sind bereits zertifiziert? Erhalten Erkrankte Hilfe für den Haushalt, haben sie Anspruch auf Erstattung von Taxifahrten zum Arzt? „Die erste Reaktion nach einer Krebsdiagnose ist erst einmal Orientierungslosigkeit", sagt Anna Ar-ning, bei der Krebsgesellschaft NRW für Psychoonkologie und Selbsthilfe zuständig. Außerdem will die Beratungsstelle Kontakte zu Selbsthilfegruppen vermitteln.
In die neue Beratungsstelle in Bilk wird eine psycho-onkologische Sprechstunde integriert, die es bereits seit zwei Jahren gibt. Auch sie wurde durch das Engagement der Bürgerstiftung ermöglicht. Der Erlös einer Kleiderbörse - mehrere 10 000 Euro - sicherte dieses Angebot. Bei der Neuauflage in diesem Jahr kamen abermals mehr als 30 000 Euro zusammen - sie fließen jetzt in die neue Einrichtung ein.
Nach Erkenntnissen der Krebsgesellschaft NRW benötigen zwei von drei Krebserkrankten externe Hilfe. Die Erfahrung zeigt: Ein Drittel der Patienten hat Beratungsbedarf, ein weiteres Drittel ist hoch belastet durch die neuen Umstände der Krebserkrankung. Sie benötigen Psychotherapie. Nur jeder Dritte kommt mit seiner Krankheit gut zurecht. „Dabei ist es besonders bei der Krebstherapie wichtig, dass der Patient seine Kräfte und Quellen mobilisiert", sagt Margret Schrader. „Wer psychisch stabil ist, verträgt beispielsweise Chemotherapiebesser."
Das künftige Beratungsangebot in Bilk soll dazu beitragen, Krebserkrankte zu unterstützen und zu entlasten. Davon sollen auch die Angehörigen profitieren, ergänzt Sabine Tüllmann. „Alle haben etwas davon."
Eine Krebsdiagnose hinterlässt bei Betroffenen zunächst das Gefühl von Orientierungslosigkeit. Die neue Beratungsstelle in Bilk will den Patienten Tipps zur Behandlung und konkrete Lebenshilfe bieten
Einsatz für Krebspatienten (v.l.): Sabine Tüllmann, Christel und Wolfgang van Betteray, Margret Schrader und Anna Arning