1100 Kinder singen den Flohtango

Schüler von acht Düsseldorfer Grundschulen machten gestern die Tonhalle zum Festsaal für Kinderlieder. Das Konzert war das Finale einjährigen Übens in der Singpause. Das Projekt, bei dem Chorleiter wächentlich 40 Minuten in die Schule gehen, soll wegen des Erfolgs ausgebaut werden.

In der zehnten Reihe beginnen sie schon zu schon zu schunkeln. Nein, nicht die Zuschauer, die Musiker selbst haben sich an den Schultern gefasst und singen dabei lauthals den Dacula-Rock. In der Tonhalle ist an diesem Morgen nicht mehr ganz klar wer Zuschauer und wer Darsteller ist. 1100 Grundschulkinder machen das haus zu einem Festsaal für Schlagermelodien. Es ist das Finale, für das die Schüler ein Jahr lang geübt haben: die Singpause.
Bereits vor dem Konzert herrscht Aufregung in dem klassischen Konzertsall. Jan, Sandro und daniel aus der vierten Klasse der Rolandschule tauschen sich darüber aus welches Lied sie am liebsten singen. Ibch bin ziemlich aufgeregt", gesteht Daniel. Obwohl es für die drei nicht der erste Auftritt ist. Seit drei Jahren nehmen sie an dem Projekt des städtischen Musikvereins und des Kulturamts teil. Zwei Mal wöchentlich besucht ein Chorleiter die Klasse und singt mit den Schülern Kinderlieder. 17 Schulen beteiligen sich inzwischen an dem Projekt, 15 weitere sollen nach den Sommerferien hinzu kommen. Seit 2006 gibt es das Projekt, damals begann es an fünf Schulen. Inzwischen beteiligen sich mehr als 7000 Grundschüler an dem Projekt.
Und die Liste der Schulen, die ebenfalls an der Musikförderung teilnehmen wollen, wächst ständig. „Wir können uns vor Nachfragen kaum retten", sagt Schuldezernent Burkhard Hintzsche. Die Erfahrungen zeigen: Die Schüler verbessern mit den wöchentlichen Proben nicht nur ihre Gesangsstimme, sie machen auch in den anderen Unterrichtsfächern größere Fortschritte. „Und sie bauen Hemmungen ab, vor Publikum aufzutreten", sagt Hill.
Eine Stunde zuvor sind die Schüler der Gerresheimer Grundschule Unter den Eichen noch mit dem Üben von Tonleitern beschäftigt. Im Hentrich-Saal der Tonhalle zeigen sie Eltern und Gästen, wie eine klassische Singpause abläuft: Sie singen nach Zahlen und bewegen ihre Arme zur Musik, wenn ihnen
Chorleiter Bernhard Hüsgen den nächsten Ton auf der Tafel zeigt. „Wie hat es denn dem Herrn Oberbürgermeister gefallen?", will ein Schüler wissen. Sichtlich amüsiert iässt sich Dirk Eibers auf ein Gespräch mit den Kindern ein. „Ich habe nicht so gut Singen gelernt wie ihr."
Im anschließenden Konzert, bei dem 1100 Kinder im Saal lautstark und engagiert mitmachen, zeigen die Schüler dann, dass ihnen das Musizieren Spaß macht - allen Unkenrufen zum Trotz. „Die Chöre werden immer älter, weil sich immer weniger Menschen dafür begeistern", sagt Manfred Hill, Vorsitzender des Städtischen Musikvereins und Leiter der Singpause. Um den Mangel an Musikunterricht an den Grundschulen zu kompensieren, habe sich die Bürgerinitiative gegründet - mit dem Ziel, möglichst viele Schüler zu erreichen. „Wir wollen die Singpause für alle Düsseldorfer Grundschüler", sagt Hill.
40 Euro kostet die jährliche Singpause umgerechnet für jeden Schüler. 180 000 Euro jährlich zahlt die Stadt, jeweils die Hälfte kommt vom Schul- und vom Kulturamt. „Wir wollen die Musikförderung künftig noch weiter ausweiten", sagt Hintzsche.
INFO Singpause
Was Zwei mal wöchentlich besuchen Chorleiter Grundschulklassen und erarbeiten mit ihnen musikalische Grundkenntnisse. Wer Die Singpause ist ein Projekt des städtischen Musikvereins und des Kulturamtes.
Wie Unterrichtet werden die Schüler nach der „Ward"-Metho-de, die von der Musikpädagogin Justine Bayard Ward entwickelt wurde. Oberstes Ziel ist es, die Kinder für Musik zu begeistern.
Beim Konzert zeigen die Kinder, was sie gelernt haben. Bei „Pack die Badehose ein", beginnen einige Mädchen in der ersten Reihe zu tanzen. Die Kinder haben sichtlich Spaß - auch einige Eltern auf den Rängen beginnen bei einigen Liedern mitzusingen. Der Stolz über den Auftritt ihrer Kinder ist vielen anzusehen.
Derweil zeigen die Schüler, was sie im vergangenen Jahr gelernt haben: „Wenn der Frühling kommt", Es tönen die Lieder" und das „Hat-schi-Lied". Und spätestens beim „Dracula-Rock" geben Jan, Sandra und Daniel ihr Bestes. Schließlich ist es ihr Lieblingslied.

Rheinische Post

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